Das KLEINE THEATER

… residiert im Berliner Stadtteil Friedenau in einem alten Eckhaus am Südwestkorso, ganz in der Nähe der Künstlerkolonie am oberen Südwestkorso, der u. a. Christopher Isherwood in seinem Roman „Goodbye to Berlin“ ein Denkmal setzte. Gleich um die Ecke, in der Stubenrauchstraße 47, haben sich in der Wohnung von Harry Frommermann die Comedian Harmonists gegründet und ebenfalls nur wenige Gehminuten entfernt, befindet sich der Friedhof Stubenrauchstraße, auf dem Marlene Dietrich ihre letzte Ruhestätte fand.

Mit seinen 99 Plätzen und einer kleinen Bar im hinteren Zuschauerraum ist das Kleine Theater dem räumlichen Ambiente nach ein intimer Theaterraum, der es dem Zuschauer auf allen Plätzen ermöglicht, direkt am Geschehen auf der Bühne teilzuhaben.

Ein kreativer Ort braucht Erneuerung. Im Jahr 2006 hat erstmalig nach 33 Jahren die Leitung des Theaters gewechselt. Die Regisseurin Karin Bares hat nicht nur die Künstlerische Leitung und die Geschäftsführung übernommen, sondern inszeniert auch regelmäßig am Haus.

Das Kleine Theater ist ein kleines, aber feines, exquisites Schauspielertheater, in dem feinsinnig-gradwandernde Stücke ihre Berliner Erstaufführung erleben. Gleichzeitig sind szenisch-musikalische Produktionen im Spielplan zu finden.

Das Leitmotiv der ersten Spielzeiten lautet BIOGRAFIE / Lebenswege - Lebensbrüche.

In der Reihe „Legenden“ werden berühmte Lebensläufe skizziert und mit den aus Ihnen hervor gegangenen Lebenswerken collagiert. Dazu gehören Johnny Cash, Frida Kahlo, Marilyn Monroe oder Michael Jary und Bruno Balz.
Die Beschäftigung mit historischen Biografien weist dabei stets über die Persönlichkeit hinaus, indem Zeitgeschichte dokumentiert und geradezu exemplarisch Lebensbrüche und Wendungen nachvollzogen werden.




Der Tagesspiegel, 22.01.2009

Graue Engel und musikalische Biester

von Patrick Wildermann

Regisseurin Karin Bares hat das Kleine Theater am Südwestkorso auf Kurs gebracht.
Die Friedenauer Bühne behauptet sich als Schauspieltheater - und beleuchtet in dieser Spielzeit Biographien berühmter Zeitgenossen.

Es war kein leichter Job und gewiss auch kein dankbarer. Als Karin Bares Anfang 2006 das Kleine Theater am Südwestkorso übernahm, hatte der vormalige künstlerische Leiter Pierre Badan gerade mit Mühe die Streichung sämtlicher Zuschüsse abwenden können, aber die Nachfolgerin musste mit stark gekürztem Budget und damit verbundenem Sparzwang antreten. “Man wird dich die Maggie Thatcher vom Südwestkorso nennen”, habe Badan ihr noch mit auf den Weg gegeben, erzählt Bares und lacht. In den Ruf der eisernen Lady ist sie dann doch nicht geraten - trotz rigider Umstrukturierung des Hauses. Sie hat zwei Stellen gestrichen, Gehälter gekürzt und selbst bei reduzierten Bezügen drei Posten in Personalunion übernommen: Geschäftsführerin, künstlerische Leitung und Hausregisseurin.

An der Kunst aber wurde nicht gespart. Nicht was die Zahl und schon gar nicht was die Qualität der Aufführungen an der 99-Plätze-Bühne betrifft. Karin Bares hat am berühmten Gießener Institut für angewandte Theaterwissenschaften studiert, sie stand dort in den ersten Arbeiten von Rene´ Pollesch auf der Bühne, anschließend war sie unter anderem Regieassistentin bei Dimiter Gotscheff in Düsseldorf. Es folgten zehn Jahre zwischen Aachen und Coburg, “als klassische Intercity - Regiesseurin auf der mittleren Stadttheater-Ebene”, wie Bares sagt - dann ereilte sie der Ruf aus dem Friedenauer Kiez.

In ihrer kurzen Amtszeit hat sie die Auslastung des Kleinen Theaters maßgeblich gesteigert, und sie hat dem Haus, das ohne festes Ensamble auskommen muss, ein klares Profil gegeben. Das Leitmotiv ihrer Spielzeiten lautet schlicht und prägnant “Biographien”, im Untertitel “Lebenswege - Lebensbrüche”. Das umfasst zum einen Stücke über Personen der Zeitgeschichte, nicht selten musikalisch orientiert, wie etwa der Abend “Ganz vergebliches Gelächter”, eine Revue auf den Spuren von Erich Kästners “Fabian”. Oder wie “Johnny Cash - The Beast in Me”. Das war die erste Produktion unter ihrer künstlerischen Leitung, gleich ein Riesenerfolg und nun bereits im vierten Jahr zu sehen. Mittlerweile, erzählt Bares stolz, “kommen zu, Cash’ Zuschauer aus ganz Deutschland”. In diese Reihe wird sich im Frühjahr auch das Stück “Der graue Engel” von Moritz Rinke fügen, das auf einem Artikel basiert, den Rinke über die Überführung des Nachlasses von Marlene Dietrich geschrie- ben hat, die quasi um die Ecke des Theaters, auf dem Friedhof Stubenrauchstraße, begraben liegt.
Die andere Säule im Programm sind psychologische Kammerspiele, eine Spezialität der Regisseurin Bares. Sicher, für manche Stücke bekommt das Kleine Theater die Rechte nicht. Aber immer wieder gelingen der wachen Theaterleiterin kleine Coups, und sie entdeckt spannende Erstaufführungstexte, “die andere Berliner Bühnen verschlafen haben”.


 

Berliner Morgenpost, Mittwoch, 16. Juli 2008 04:00

Das Kleine Theater definiert sich neu

Von Ulrike Borowczyk


Karin Bares übt sich gerade in der Quadratur des Kreises: Die künstlerische Leiterin des Kleinen Theaters am Südwestkorso will den Spielplan für den Herbst aufstellen. Gar nicht so einfach, wenn man sich kein festes Ensemble leisten kann und daher mit den unterschiedlichsten Engagements von insgesamt 15 freiberuflichen Schauspielern jonglieren muss.
Trotzdem: Ein bindender Spielplan muss her. Je früher, desto besser.

Schließlich gilt es, die Deadline der Theater-Besucherorganisationen einzuhalten. "Das ist extrem wichtig für uns, denn der größte Teil der Mitglieder wohnt im Südwesten. Viele von ihnen in Friedenau. Es wäre absurd, diese Zuschauer nicht ansprechen zu wollen", so Karin Bares. Im kulturell ausgedünnten Südwesten versteht sich das Kleine Theater zwar als Kiezbühne, doch mit dem Programm will man ganz Berlin erreichen. Durchaus erfolgreich, wie eine Auslastung von 75 Prozent und Produktionen wie "Johnny Cash - The Beast In Me", die Zuschauer aus dem gesamten Bundesgebiet anlocken, beweisen. Vor drei Jahren sah das noch anders aus: Damals waren dem 99-Plätze-Haus wie auch der Charlotten-burger Tribüne die Fördermittel gestrichen worden und es stand kurz vor dem Aus. Wider-stände auch aus den Reihen der Politik sicherten beiden Häusern eine Basisförderung für die Jahre 2007 und 2008. Das Kleine Theater erhält seitdem jährlich statt 380 000 nur noch 200 000 Euro. In dieser schwierigen Situation übernahm die Regisseurin Karin Bares im März 2006 die künstlerische Leitung nach 33 Jahren vom Theatergründer Pierre Badan und wagte umgehend einen Neuanfang mit Umstrukturierungen, Veränderungen und natürlich Einsparungen.
"Verwaltung und Technik waren personell viel zu hoch ausgestattet. Außerdem wollte ich inhaltlich und in der Außendarstellung ein einheitlicheres Bild", sagt die 40-jährige Wahl-Berlinerin aus dem rheinland-pfälzischen Trier.
Sie strich alles, was nicht lebensnotwendig war: Die Präsenz auf dem Plakat der Berliner Bühnen etwa oder das Hinweisschild in der U-Bahn. "Wenn man zwanzig kleine Dinge eliminiert, hat man einen Topf für die Kostüme einer Produktion gespart", erklärt sie. Zudem tritt sie mittlerweile ganz gezielt an Interessengruppen heran: Steht "Der Beweis" auf dem Programm, werden Flyer an den Unis verteilt, bei "Johnny Cash" in den Country-Kneipen. "Da gab es schon schrägste Publikums-Zusammensetzungen: Vorne eine Gruppe älterer Herrschaften, die sich schick gemacht haben, hinten ein Motorradclub. Das Spektrum ist riesig und es geht wunderbar zusammen", erzählt Karin Bares.
Vor allem aber hat sie das Haus künstlerisch erneuert: Statt historischer Themen stehen heute die Berliner Erstaufführungen zeitgenössischer Stoffe auf dem Spielplan.
"Unser inhaltlicher Leitfaden heißt ,Biographien - Lebenswege / Lebensbrüche'", so Bares. Ihr ist es wichtig, Stücke zu finden, mit denen sich das Publikum identifizieren kann. Dabei setzt sie auf Eigenproduktionen, die wie die Komödien "Ein Winter unterm Tisch" oder "Schnee in Venedig" geistreich und niveauvoll unterhalten.
Das Konzept funktioniert bestens. Im Gegensatz zur Tribüne, deren Versuche zur Neuaufstellung zweimal gescheitert sind und deren Förderung die Senatskulturverwaltung zum Jahresende einstellen will, erhält das Kleine Theater weiterhin staatliche Unterstütz-ung. Eine richtige und gute Entscheidung, denn dem Haus ist ein fein ausbalancierter Mittel-weg gelungen, der gleichzeitig das Stammpublikum bindet und neue Zuschauer gewinnt. Ende August geht es nach der Sommerpause mit Luigi Lunaris Komödie "Drei auf der Schaukel" in die neue Spielzeit.